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Die böse Stiefmutter. Ein Märchen?

Die Rolle der Stiefmutter

Die Rolle der Stiefmutter ist in vielen Märchen deutlich definiert. Es ist ein Archetyp, dem eine klare Zuordnung in "Gut" und "Böse" zugrunde liegt. Keine Frau wird jedoch als Stiefmutter geboren. Sie ist, mit all ihren Eigenschaften und Charakterzügen, eine Frau wie jede andere. Die meisten Frauen, die als neue Partnerin des Vaters im Leben eines Scheidungskindes auftauchen, sind bemüht, verständnisvoll und wollen ein harmonisches Miteinander. Wie kommt es also, dass sie einen so schlechten Ruf haben? Werden sie einfach über Nacht "Böse"? Oder gibt es andere, unbewusste Mechanismen, die dafür sorgen, dass die unterdrückten Emotionen immer wieder explodieren und der Graben zwischen den beiden Seiten unüberwindbar bleibt?

Der größte Wunsch fast eines jeden Scheidungskindes ist und bleibt, egal wie alt es ist, dass die Eltern sich vertragen, damit alles wieder so sein kann, wie es war. Die Vergangenheit wird oft glorifiziert und die Streitigkeiten, die zu einer Trennung geführt haben, ausgeblendet. Und auch, wenn der Verstand weiß, dass es nicht gutgehen kann, das Bild einer "heilen" Familie ist in Unbewusstem fest verankert und möchte erfüllt werden. Das innere Bedürfnis, mit den Eltern wieder als Familie zusammen zu sein, beeinflusst alle weiteren Handlungen und Überzeugungen; wie wir uns fühlen, wie wir unsere Beziehungen leben, wie wir unser Leben gestalten. Es ist einer der wichtigsten Bausteine, die wir benötigen, damit sich unsere Persönlichkeit entfalten kann. Wird diese ursprüngliche Ordnung durch die Trennung der Eltern gestört, wird der Wachstum in verschiedenen Bereichen blockiert.

Bild @ Unsplash
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In einem Märchen wird der Steifmutter die Rolle der "Bösen" zugedacht. Im "normalen" Leben einer Patchwork-Familie finden wir dieses Schema ganz oft wieder und das hat Gründe, die vermutlich in uns allen tief verankert sind.

Die klare Aufteilung in "Gut" und "Böse" hilft einem Scheidungskind die Schuldfrage von den Eltern auf die außenstehende Person der Stiefmutter zu verlagern. Sie bietet eine Projektionsfläche für all die unterdrückten Emotionen wie Wut, Hass, Verzweiflung und Schmerz. Sie wird unbewusst für diese unerträglichen Gefühle verantwortlich gemacht. 

Wird die Stiefmutter als Person positiv erlebt, fühlt sich das Kind schlecht. Bei dem Trennungskind entsteht ein innerer Konflikt denn, wenn du "gut" bist und ich dir gegenüber Ablehnung oder gar Hass empfinde, fühle ich mich dabei schlecht, mein Gewissen leidet darunter. Wenn du dagegen "böse" bist, fühle ich mich im Recht dir alles zuzuschieben, was mir Schmerz und Leid bereitet und dich für all das verantwortlich zu machen, was in meinem Leben schiefläuft. Mein Gewissen kann sich wieder beruhigen.

Das Bild der "bösen" Stiefmutter erfüllt somit eine wichtige Rolle. Es hilft dem Kind sich selbst zu stabilisieren. Die Gefühle der eigenen Schuld, der Trauer oder der inneren Zerrissenheit, können teilweise nach außen verlagert werden und die unterdrückte Aggression findet ein Ventil. Die Aufmerksamkeit wird von dem eigenen Leid auf das Feindbild geleitet und die Emotionen, wie beispielsweise die Verlustangst, stehen dadurch für den Augenblick nicht im Mittelpunkt.

Ein anderer Aspekt der Rolle der „bösen" Stiefmutter kann damit zusammenhängen, dass die Eltern nicht in „schlecht“ und „gut“ aufgeteilt werden müssen, denn es gibt schon eine Person, die alles Schlechte verkörpert. Das Kind muss bei keinem der Elternteile die Verantwortung für den unerträglichen Zustand suchen und so kann es beiden gegenüber gleichermaßen loyal bleiben.

Dem zufolge dürfte es nicht gleichzeitig eine "gute" Stiefmutter und eine "gute" Stieftochter geben, zumindest so lange die Trennung der Eltern nicht verarbeitet und mindestens zum Teil akzeptiert werden kann. Manchmal glätten sich die Wogen, wenn die Kinder älter werden, eigene Wege gehen und selbst eine Familie haben. In den meisten Fällen bleibt es in einer mehr oder weniger ausgeprägten Form weiterhin bestehen.

Soll das bedeuten, dass die Stiefmutter alles still erdulden und für alles Verständnis haben muss? Selbstverständlich nicht!

Im optimalen Fall kann sie das Kind verstehen, ihm Zuneigung und Akzeptanz zeigen und gleichzeitig klare Grenzen setzen und sachlich-zugewandt bleiben. In den meisten Fällen, fühlt sie sich jedoch, aufgrund ihrer eigenen Biografie, nicht gesehen, nicht verstanden oder angegriffen. Dem entsprechend sind ihre Reaktionen wütend, ablehnend, gekränkt oder straffend. Diese Emotionen zeigen, dass sie auf der emotionalen Ebene des eigenen "Inneren Kindes" getroffen wurde, dass die Wunden ihrer Vergangenheit immer noch nicht geheilt sind.

An solchen Reaktionen können wir erkennen, auf welcher Ebene wir in der Stresssituation unterwegs sind; auf der des souveränen „Erwachsenen Selbst“ oder des verletzten „Inneren Kindes“. Den Unterschied wahrzunehmen könnte der erste Schritt in die Veränderung sein.

Die Erwachsenen sollten sich über ihre Rolle und ihre Verantwortung im Klaren sein. Wenn sie selbst haltlos sind oder getriggert werden, handeln sie auf der Ebene des „Inneren Kindes“ und fühlen sich oft selbst verletzt oder überfordert. Die unverarbeiteten Themen aus der Vergangenheit werden auf einen Schlag an die Oberfläche befördert und hindern sie daran, als kompetenter, verantwortungsvoller Erwachsener zu agieren. Deshalb ist die Auseinandersetzung mit eigenen Themen so elementar wichtig!

 

Emotionale Botschaften

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Es gibt immer wieder verletzende Sätze, die das zarte Pflänzchen der Verständigung erfrieren lassen können. Sätze wie "Du bist an allem schuld", "Wenn es dich nicht gäbe, wären meine Eltern noch glücklich zusammen" sind nicht selten. Das Ziel ist erreicht: Die betroffene Person fühlt sich  verletzt und entweder "schlägt" sie zurück oder sie versteckt sich in ihrem Schneckenhaus, je nachdem, wie sie es gelernt hat auf Aggressionen zu reagieren und welche Vorbilder sie in solchen Streitsituationen selbst als Kind erlebt hat. Die Reaktionen sind verständlich, denn wer will schon angegriffen oder verletzt werden? Welche emotionale Not steckt aber hinter solchen Angriffen? Wir könnten versuchen nachzuempfinden, welche Ängste der Umstand der Trennung bei den Kindern und, teilweise auch bei den verlassenen Erwachsenen, auslösen kann. Übrigens, Erwachsene, die selbst eine Trennungserfahrung machen mussten, können durch eine Trennung von der Lebenspartnerin oder dem Lebenspartner eine Retraumatisierung erleben. Die Ängste, die Ohnmacht und das Gefühl ausgeliefert zu sein, werden wieder sehr präsent und der Schmerz teilweise so stark, wie er damals erlebt wurde. Diese Ängste sind dafür verantwortlich, dass verletzende Sätze "rausgeblubbert" werden. Oft werden andere verletzt, um den eigenen Schmerz nicht  zu spüren.

Es ist uns oft nicht bewusst, dass die Trennung der Eltern tief verankerte, negative Emotionen verursachen kann, die den Betroffenen sein Leben lang begleiten und prägen: Die Fähigkeit Entscheidungen zu treffen und ob wir bei den Entscheidungen an uns selbst oder überwiegend an andere denken, die persönliche Stabilität, wie Beziehungen zu anderen Menschen gestaltet werden, ob diese Beziehungen halten können, ob man sich selbst und anderen Wertschätzung und Akzeptanz entgegen bringen kann oder ob das Gefühl ständig überfordert zu sein immer wieder auftaucht. 

Wie die Zusammenhänge zwischen den Folgen der Trennung und dem Entstehen bestimmter Emotionen aussehen können, wird in den folgenden Beispielen veranschaulicht:

 

"Mein Vater ist weggezogen":  Verlustangst, Schuldgefühle - "Es ist meine Schuld, dass die Eltern sich getrennt haben, ich war nicht brav, nicht lieb genug…"

 

"Ich kann meinen Vater nicht mehr so oft (manchmal gar nicht) sehen":  Verlustangst, Schuldgefühle, gemindertes Selbstwertgefühl und als Schlussfolgerung - Ich war es nicht wert, nicht wichtig genug, dass er bleibt.

 

"Es geht uns jetzt schlechter als vorher" (finanziell, emotional, gesundheitlich, mental):  Existenzangst, Verlustangst, Trauer, Aggression, zu viel Verantwortung, Scham, Zukunftsängste.

 

"Wir können uns seit der Trennung nichts mehr leisten. Wir haben nicht genug Geld":  Existenzielle Ängste, Wut, Aggression, Minderwertigkeitsgefühle, Enttäuschung, Depression, Scham, Zukunftsängste.  

 

"Meiner Mutter/meinem Vater geht es schlecht, ich habe Angst um sie/ihn":  Überlebensangst, Verlustangst, zu viel Verantwortung, Überforderung.

 

"Ich habe Angst, wie es weitergehen soll":  Überlebensangst, zu viel Verantwortungsgefühl, Neigung zum übermäßigen Grübeln.

 

"Ich muss mich jetzt um alles kümmern" (Geschwister, Eltern, die mit der Situation überfordert sind):  Zu viel Verantwortung, die eigentlich die Erwachsenen tragen sollten, gefolgt von massiver Überforderung, deren Folgen erst Jahre später als psychosomatische Erkrankungen sichtbar werden, Helfersyndrom gepaart mit der Unfähigkeit sich selbst wichtig zu nehmen, für sich selbst etwas zu fordern.

 

"Ich muss jetzt besonders "brav" sein, sonst wird die Situation noch mehr eskalieren":  Übermäßige Anpassung, Helfersyndrom, da man sich selbst nicht zu wichtig nehmen darf, vermindertes Selbstwertgefühl, Überforderung, unterdrückte Aggression.

 

"Ich fühle mich alleine gelassen":  Verlustangst, Existenzangst, Überforderung, Aggression, Depression.

 

"Wir mussten umziehen und ich habe meine Freunde, gewohnte Umgebung oder Familie verloren":  Verlust, Traurigkeit, Trauer, Angst.

 

All das wäre nicht passiert, all diese unerträglichen Gefühle wären nicht da, wenn es die ANDERE nicht gegeben hätte! Egal, ob sie der Grund der Trennung war, oder nicht. Sie soll für alles büßen! 

Die ANDERE dient jedoch lediglich als ein Platzhalter für Wut, Angst und Enttäuschung, die infolge der Trennung entstanden sind. Sie ist austauschbar und die Vorwürfe sind nicht zwingend an ihre Person gebunden. Sie steht für das imaginäre Böse, das dankbar als Grund genommen wird, warum alles so anders, so unsicher, so furchtbar geworden ist. Die Stiefmutter soll für all die Ängste, Entbehrungen und den Schmerz der Trennung den Kopf hinhalten.

 

Die stärkste Bindung ist die, zwischen den Eltern und dem Kind!

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Die Eltern dafür schuldig zu machen würde bedeuten, sich von der stärksten aller Bindungen loszusagen und den Kontakt für immer zu verlieren. Umso kleiner das Kind, umso abhängiger ist es von den Eltern und es wird alles tun, um diese existentielle Abhängigkeit nicht zu gefährden.

Auch später, während der Pubertät oder im erwachsenen Alter, bleibt es ein Schritt, der nur unter einer extremen, inneren Not gegangen wird und meist dann, wenn es um die "Abnabelung" und die notwendige Suche nach der eigenen Identität geht. Da eignet sich eine dritte Person hervorragend als Katalysator für die geballten inneren Spannungen und Ängste.

Das zu verstehen kann vielleicht dabei helfen die Verletzungen nicht ganz so persönlich zu nehmen, auch wenn es vermutlich einfacher gesagt als getan ist. 

 

Für das Trennungskind gibt es nur eine Familie

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Für das Trennungskind wird es immer nur EINE Familie geben, und zwar, seine Ursprungsfamilie. Alle Versuche künstlich eine Ersatzfamilie herzustellen sind an sich zum Scheitern verurteilt. Es ist und bleibt ein Wunschgedanke, der mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg umgesetzt werden kann und dauerhaften Schwankungen ausgesetzt sein wird.

Ein scheinbarer Frieden ist das, was möglich ist. Ein Frieden auf Zeit. Sich dessen bewusst zu werden erleichtert den Umgang miteinander, denn es erspart Enttäuschungen. Es ist ein Wunschgedanke, dass ein Punkt erreicht werden kann, an dem alles perfekt ist und alle in Harmonie, Liebe und Wohlwollen miteinander leben können. Es reicht vollkommen, wenn die Parteien versuchen sich gegenseitig zu respektieren und dabei einen gesunden, emotionalen Abstand wahren. Das Festhalten an dem Anspruch eine glückliche, verständnisvolle Familie zu erschaffen, in der sich alle lieb haben und sich jeden Tag aufeinander freuen, wäre schon unter normalen Umständen eine Utopie und erst recht in einer zusammengewürfelten Gruppe, in der Kindern keine Wahl gelassen wird, ob sie dazu gehören wollen oder nicht. Die Erwachsenen entscheiden für sich und für die Kinder und diese sollten möglichst bald funktionieren. Eine gewisse Zeit der Eingewöhnung wird ihnen aus Kulanz eingeräumt aber dann sollen sie sich bitteschön zusammen reißen, es ist schließlich für alle nicht einfach!

 

Die Väter und ihre Prinzessinnen

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Es macht nicht viel Sinn gegen die Windmühlen zu kämpfen, zudem Verletzungen zu noch mehr Verletzungen führen und somit unter Umständen die Ehe gefährden können. Sätze wie: „Du zwingst mich dazu, dass ich mich zwischen Dir und meiner Tochter entscheiden muss“ fallen in der kritischen Phase ganz oft. Die Väter merken nicht, dass sie sich schon längst entschieden haben, ohne es bewusst wahrzunehmen. Das schlechte Gewissen spielt dabei eine entscheidende Rolle. Ihre „Prinzessinnen“ wissen es sehr gut sie zu manipulieren. Ob mit Blicken, Tränen oder Liebesbezeugungen, sie sichern sich die Liebe ihrer Väter, ein Urbedürfnis eines jeden Menschen und eine notwendige, intuitive Überlebensstrategie. Dadurch können sie sich selbst in der für sie ungewissen und bedrohlichen Situation ein wenig stabilisieren und das Gefühl haben, für ihren geliebten Papa wichtig zu sein.

Die Väter sind Wachs in ihren Händen. Die Tatsache, dass sie nicht imstande waren die Ursprungsfamilie aufrechtzuerhalten, lässt sie in ihren Augen als Versager erscheinen. Um dieses unangenehme Gefühl zu übertünchen und das schlechte Gewissen sich selbst und dem Kind gegenüber zu mindern, versuchen sie es wieder gutzumachen, indem sie sich unbewusst auf ihre Seite schlagen.

Es gibt kein Richtig im Falschem!

Vielleicht funktionieren manche "neue" Familien deshalb so gut, weil sie die Illusion der heilen Welt gar nicht erst aufkommen lassen. Stattdessen akzeptieren sie die Grenzen des Möglichen und machen das Beste daraus.

Es gibt Gesetzmäßigkeiten, die immer wieder auftauchen, egal wie gut der Umgang untereinander in einer Patchwork-Familie ist.:

  • Verabschieden Sie sich von der Idee es jemals richtig machen zu können, denn es gibt kein Richtig im Falschem. Für ein Trennungskind, egal wie sehr sich die neue Stiefmutter oder der Stiefvater bemühen, wird die Ursprungsfamilie für immer die einzig richtige Familie bleiben.
  • Engagieren Sie Sich emotional, behalten Sie jedoch einen gesunden Abstand bei, damit Sie die plötzliche Ablehnung nicht zu stark verletzen kann. In den Augen des Kindes sind und bleiben Sie die falsche Frau/ Mann an der Seite seines Elternteils. Akzeptieren Sie es; das Kind wird nie anders fühlen können! Auch wenn das Kind Ihnen eine ehrliche Zuneigung entgegenbringt, es wird nichts an der tiefen, unbewussten Überzeugung ändern.
  • Die Loyalität den Eltern gegenüber ist ein ungeschriebenes Gesetz, welches über die eigenen Gefühlen gestellt wird und dem unbewusst gefolgt wird. Es spielt dabei keine Rolle, wie sehr sich die oder der „Neue“ bemüht. Sie müssen abgelehnt werden, sonst entsteht das Gefühl, einen der Elternteile verraten zu haben.
  • Hinter jedem Angriff stecken meist Ängste und Unsicherheiten und der Wunsch sich selbst zu schützen und zu stabilisieren.
  • Niemand verletzt den anderen aus reiner Boshaftigkeit. Die wahren Gründe sind jedoch oft sehr subtil, ineinander verschachtelt und nicht immer sofort erkennbar.

Ein Beispiel:

Sie bemühen sich und machen alles, um von dem Kind akzeptiert und gemocht zu werden. Egal, was Sie versuchen, es wird nicht angenommen. Geschenke, die Sie liebevoll ausgesucht haben, werden nicht ausgepackt und liegen ostentativ im Mülleimer. Alles, was Sie vorschlagen, wird abgelehnt oder infrage gestellt.

Sie wünschen sich Akzeptanz und reagieren mit Ablehnung, wenn Sie diese selbst nicht bekommen, weil Sie womöglich schon oft genug in Ihrem Leben abgelehnt wurden. Das Kind will Sie akzeptieren, darf es aber nicht, aus Loyalität der Mutter gegenüber. Gleichzeitig will es selbst von Ihnen akzeptiert werden, bekommt aber Ihre Ablehnung zu spüren, weil es Sie ablehnen musste und Sie sich dadurch verletzt fühlen. Ein Teufelskreis! Die mögliche Interpretation wird sich auf beiden Seiten vermutlich auf den gleichen Satz hinauslaufen: "Sie ist blöd und mag mich nicht, also mag ich sie auch nicht!"

 

Was bedeutet das für die Stiefmutter?

Egal, wie sehr sie sich bemüht und wie sehr sie dem Kind gegenüber positiv eingestellt ist, SIE KANN ES NICHT RICHTIG MACHEN! Egal, wie lieb das Kind die Stiefmutter gewonnen hat, die Loyalität der Mutter gegenüber wird immer wieder Konflikte provozieren. Vor allem in der Pubertät, wenn die Kinder zunehmend an Selbständigkeit gewinnen und sich "abzunabeln" versuchen, kann es des Öfteren eskalieren. Es kann auch passieren, dass die Emotionen, die man scheinbar im Griff hatte, plötzlich nochmal mit der ganzen Wucht auftauchen und alles zunichte machen, was oft über Jahre, mühsam aufgebaut wurde. 

Eine mögliche Lösung könnte sein zu versuchen einen gewissen Level an Toleranz und Akzeptanz zu etablieren. Es ist schon sehr viel damit erreicht, wenn sich die Seiten mit Respekt begegnen. Allerdings ist es eine harte Arbeit, die nicht immer vom Erfolg gekrönt sein wird. Auch wenn es gelingen sollte, ein scheinbar gutes Verhältnis zwischen allen Beteiligten zu erreichen, es ist und bleibt äußerst fragil. Manchmal reicht eine Kleinigkeit, um die gesamte Palette des Leidens, die dicht unter der Oberfläche des scheinbaren Friedens vor sich hin brodelt, zu einer unerwarteten Explosion zu bringen.

Vom Standpunkt der Persönlichkeitsentwicklung könnte man sagen: "Danke, dass du mir zeigst, was bei mir noch nicht verarbeitet ist, um welche Themen ich mich noch kümmern muss! Wo meine Trigger-Punkte sind!" Aus der menschlichen Sicht tut es einfach nur weh und es wirft die Frage auf, warum soll ich mich weiter bemühen? Es bringt nichts und es ist lediglich eine Frage der Zeit, wann die nächste Verletzung, mit oder ohne Ankündigung, passieren wird.

Auch wenn die Gründe für den plötzlichen Umschwung von: „Wir verstehen uns alle so gut und sind eine tolle Familie“ auf: „Ich hasse sie, sie ist daran schuld, warum es mir so schlecht geht“ nachvollziehbar und verständlich sind, ist die „böse" Stiefmutter ebenso von ihrer eigenen Vergangenheit mit all ihren Verletzungen und Mustern geprägt, die ihr Verhalten und ihre emotionale Stabilität bestimmen. Diese Stabilität entscheidet darüber, wie sie mit solchen Äußerungen umgeht. Umso mehr sie im Einklang mit ihrem "Inneren Kind" leben kann und mit ihm versöhnt ist, desto weniger Angriffsfläche bietet sie den anderen. Mit anderen Worten, umso verständnisvoller, liebevoller und bejahender wir mit uns selbst umgehen können, desto weniger können uns andere verletzen. Gehen wir dagegen schroff, herzlos oder hart mit uns um, verletzten wir uns dadurch selbst und laden andere quasi dazu ein, dasselbe zu tun. 

Mit der Zeit wissen übrigens beide Seiten über die schwachen Stellen des anderen und wie die „Knöpfe“ zu drücken sind, sehr gut Bescheid und benutzen dieses Wissen zielsicher für ihre Zwecke.

 

Was nun?

Bild @ Unsplash
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Das Wissen darüber, dass hinter der Ablehnung verschiedene, zum Teil tiefe Ängste und Verletzungen auf beiden Seiten verborgen sind, kann dazu beitragen, dass wir immer mehr Verständnis füreinander haben. Egal ob ein Kind oder ein Erwachsener, in bestimmten Situationen rutschen wir tief in unsere Emotionalität ab und werden mit den Mustern unserer Ursprungsfamilie, eigenen Erfahrungen und dem erlebten Schmerz konfrontiert. In dem Augenblick werden wir selbst zu einem verwundbaren und schutzlosen Kind und brauchen Liebe und Verständnis, also nichts anders als das Kind brauchen könnte, das uns gegenüber steht und dessen bisherige Welt in Scherben liegt. 

Es ist womöglich klüger mit der Zeit die idealisierten Bilder einer perfekten Patchwork-Familie durch pragmatische Betrachtungsweisen zu ersetzen. Wer die Emotionalität mit der Nüchternheit paaren kann, ist imstande besser eigene Grenzen zu ziehen und ist für Verletzungen nicht so empfänglich. Im Idealfall kann die Emotionalität und die Rationalität Hand in Hand arbeiten, das ist allerdings eine hohe Kunst des Miteinanders, deren Umsetzung nicht in allen Alltagssituationen gelingen wird und schon gar nicht, wenn die eigenen wunden Punkte immer noch aktiviert werden können. 

Ein nüchterneres Miteinander schließt den respektvollen Umgang nicht aus. Die Distanz, die entsteht, kann dabei helfen, sowohl die andere Seite besser zu verstehen, als auch sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren und die Angriffe nicht zu persönlich zu nehmen. Denn dadurch stecken wir nicht so tief in der eigenen Emotionalität und werden nicht so leicht getriggert.

 

Und manchmal ist die Stiefmutter einfach nur böse...

Es ist ein weites Feld und nicht alle Aspekte wurden angesprochen. Es zeigt sich jedoch, wie komplex das Thema ist und je nachdem, aus welcher Perspektive wir die Problematik beleuchten, bekommen wir eine neue Sichtweise auf die Notlage auf beiden Seiten.

Im Fall eines Stiefvaters sind die Verhaltensweisen ähnlich übertragbar. Meist sind jedoch Frauen für die Erziehung, Abläufe und Regeln in der Patchwork-Familie zuständig. Sie verbringen die meiste Zeit mit den Kindern und geraten somit öfter in Konfliktsituationen. 

In Angesicht dessen, dass die Zahl der Scheidungen immer weiter steigt, wird die Rolle der "bösen" Stiefmutter immer mehr Frauen zufallen. Die meisten von ihnen werden versuchen alles zu tun, damit die Kinder des Partners gut integriert sind und ein neues Zuhause bekommen. Sie werden dabei nicht alles richtig machen können aber sie werden versuchen stets nur das Beste für alle Beteiligten zu tun. Dafür sollten sie die Anerkennung bekommen. Manch eine Stiefmutter aber ist und bleibt einfach nur "böse"...

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